University of Arts

Die University of Arts ist ein Ausbildungsplatz für alle jungen Menschen, die die Liebe zur Kunst entdeckt haben und ihre Talente in Schauspiel- oder Schreibkunst, Poesie, Tanz, Gesang, Komposition und/oder der Malerei ausbauen möchten.
 
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 Tanzsaal für moderne Tänze

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Claire

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BeitragThema: Tanzsaal für moderne Tänze   Sa Dez 04, 2010 1:17 am

Claire erreichte den Tanzsaal, indem sie am liebsten war, da er die beste Ausstattung hatte und sie einfach hier schon sehr viel trainiert hatte. Sie schloss hinter sich die Tür, da sie nicht damit rechnete, dass noch jemand kam. In einem Nebenraum zog sie sich um. Sie trug nun nur noch eine schwarze Strumpfhose, graue Stulpen, hautfarbene Ballerinaschuhe, ein graues Oberteil und darüber ein etwas ausgeleiheter beerenfarbener Pullover. Ihre Haare waren zurückgebunden, obwohl ein paar Strähnen heraushangen. Sie ging zu ihrer Cd-Sammlung und holte die ihr Liebste heraus. Es war eine Cd mit all den Liedern, zu denen sie in ihrem Leben getanzt hatte und die ihr sehr viel bedeuteten, da sie damit etwas verband. Genau das brauchte sie jetzt!
Sie legte die Cd in den Player und schon ertönte das erste Lied. Vor dem Spiegel sah sie sich, wie sie still dastand, im Gesicht der Ausdruck einer starren Puppe. Sie schloss ihre Augen und begann sich auf die Musik zu konzentrieren. Die ihr so bekannten Töne von "Totale Finsternis" aus dem Musical "Tanz der Vampire" ertönten. Sie fühlte ihre Rolle als Sarah, fühlte die Bewegungen durch ihren Körper dringen und schon begann sie sich zu drehen, sich sachte von der Stelle zu bewegen, wie ein unschuldiger Engel der Nacht, der gerade eben die Lust entdeckt hatte, die Lust sich einem Mann vollkommen hinzugeben. Das ganze steigerte sich und Claire spürte plötzlich einen Schmer in ihrer Brust, dass sie dazu brachte ihren Tanz zu unterbrechen. Sie dachte an damals, vor 6 Jahren und 3 Monaten. Damals, an den Moment, indem alles klar wurde. Diese paar Sekunden, in denen sie in Chris Herz die Ewigkeit gesehen hatte, in denen sie wusste, wenn nicht er, wer sonst? Und was war daraus geworden?
Sie schaltete auf das nächste Lied, ein Lied zu dem sie bei ihren ersten Auditions tanzte und angenommen wurde. Das Lied konnte sie problemlos durchtanzen. Danach schnaufte sie und war vollkommen außer Atem. Sie begann zu schwitzen und stellte sich auf das nächste Lied ein. Es war aus Cats "Macavity". Wieder erinnerte sie sich an einen Moment in ihrem Leben, damals in den Flitterwochen, das erste und letzte Mal, als sie lautstark gesungen hatte. Wieder spürte sie ihr Herz, aber sie tanzte trotz dem leichten Stich weiter, fühlte die Musik, bewegte sich leidenschaftlich vor dem Spiegel, doch jegliche Leidenschaft wich aus ihren Zügen. So konnte das nicht weitergehen, nicht so! Sie setzte sich mit einem Schlag hin und lehnte sich gegen die Spiegelwand, während sie ihren Kopf in ihre Arme legte und diesen sachte schüttelte. Das war eindeutig kein Zustand, sie musste mit Chris reden.



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Christopher

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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Fr Dez 10, 2010 10:49 pm

Chris ging langsam die Korridore der University of Arts entlang und war zielstrebig auf dem Weg zum Tanzsaal für moderne Tänze, wo er, wie er erwartet hatte, seine Frau Claire auffand. Er betrachtete sie einen Moment lang durch das Glasfenster in der Tür, die Hand auf dem Türknauf ruhend, das Gedicht in der anderen Hand haltend.
Er sah, wie sie den Kopf gegen ihre Arme gelehnt am Boden saß und seufzte einmal lautlos. Die Musik spielte immer noch im Hintergrund, es war ein Lied, das er nicht kannte.
Sachte drehte Chris den Türknauf, öffnete die Türe und durchquerte den Tanzsaal. Ohne ein Wort ließ er sich neben Claire die Spiegelwand hinabsinken, sodass er neben ihr, mit denen Beinen aufgestellt, saß.
Behutsam strich er ihr ein paar Haarsträhnen, die ihr über die Schulter fielen, hinter ihr Ohr und legte den Zettel mit dem Gedicht zwischen die beiden auf den glatten Holzboden.
Die Kälte, die zwischen den beiden schon seit längerer zeit herrscht, hatte sich wie eine Art Eiswand zwischen ihnen aufgebaut und hatte nur wenige Löcher, durch die sie ab und zu ihre Stimmen hören konnten. Einmal hatte sich Chris gegen diese Wand gelehnt, wurde aber von der Kälte abgeschreckt und war wieder zurückgewichen. Ein anderes Mal hatte er gleich den Sicherheitsabstand bewahrt. So konnte das nicht weitergehen. Er liebte Claire. Er vermisste sie. Er brauchte sie.
"Claire"; sagte er leise und wartete darauf, dass sie aufsah.
"Ich stelle dir nun eine Frage und ich wünsche mir eine ehrliche Antwort. Was fühlst du in diesem Moment?".
Er verschränkte seine Finger, die auf deinen Knien lagen.



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Claire

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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Fr Dez 10, 2010 11:10 pm

Claire war so in Gedanken versunken gewesen, dass sie Chris weder hörte, noch spürte, dass er sich neben sie gesetzt hatte. Erst als seine Finger ihr Haar für wenige Sekunden berührten, da realisierte sie seine Anwesenheit und schreckte beinahe schon auf, nicht, weil er sie erschreckt hatte, sondern weil er sie so gesehen hatte, so...verzweifelt in gewisser Weise und nicht voller Energie, tanzend, leugnend, dass alles in Ordnung war, denn das taten sie die letzten Monate. Sie hatten die ganze Zeit den Schein gewahrt, nie über die Kälte sich geäußert, sondern sind immer auf der Oberfläche geblieben.
Sie sah ihn an, doch irgendwie glitt der Blick an seinen Augen vorbei. Claire konnte Chris nicht erreichen, nicht einmal, wenn sie ihm genau in die Augen ansah, egal, wie sehr sie sich anstrengte. Ihr Blick wanderte zum Holzboden, auf dem ein zerknitterter, ihr nur allzu bekannter Zettel zum Vorschein kam. Innerlich ärgerte sie sich, dass dieser Zettel in seine Hand gelangt war, aber wie konnte sie auch so dumm sein und ihn einfach achtlos wegschmeißen? Was dachte Chris bloß von ihr, jetzt, nachdem er das gelesen hatte und wie sie ihn kannte, sicherlich schon auswendig konnte? Immerhin hatten sie die letzten Monate, nie, aber auch kein einziges Mal über Gefühle gesprochen und jetzt das? Ein Gedicht, dass voll mit ihrer Verzweiflung war?
Ihr Blick verharrte auf dem Blatt Papier und sie wagte es nicht, aufzusehen, in seine Augen, da sie sich selbst schützte und ihn eigentlich auch. Sie würde einen kalten Blick nicht ertragen und er sicherlich auch keinen eiskalten Blick von ihr, also ließ sie es gleich bleiben, doch sie wusste, dass das genau der falsche Ansatz war.
Seine Stimme war leise, doch sie spürte richtig, wie die Luft um sie vor Spannung pulsierte. Es war mit der Ruhe vor dem Sturm zu vergleichen. Und sobald Chris' Frage ausgesprochen war und in der Luft lag, wusste Claire, dass sie ihm nicht antworten konnte. Sie vermochte nicht Sätze zu formulieren, es war genauso, wie in den letzten Monaten. Da kam nichts, kein Wort über ihre Gefühle, dabei schrien sie in ihr, sie schrien und wollten heraus.
Stattdessen, wie für sie typisch, stellte Claire eine Gegenfrage:"Kannst du mir diese Frage ehrlich beantworten?" Sie starrte immer noch auf den Boden, während ihre Stimme so hart, wie Hagel, der auf dem Beton abprallte, war.
Chris, ich fühle mich schrecklich, wie eine Ehefrau, die zu einer alten, eiskalten, berechnenden Frau geworden ist. Ich bin so zielorientiert, was nicht schlecht ist, aber mein altes Ich, es ist irgendwo übrig geblieben. Und unsere Liebe? Was ist mit ihr? Du hast dich auch verändert und manchmal kommt es mir so vor, als würdest du dein altes Leben auf den Bühnen der Welt vermissen. Unsere Liebe ist in der ganzen Arbeit untergegangen. Wir haben uns damals am Beginn geschworen das Feuer beizubehalten, stattdessen aber kam der Alltag, der graue, triste Alltag. Wann haben wir uns das letzte Mal berührt, wann geküsst, wann geliebt oder wann hast du das letzte Mal ein Prickeln auf deiner Haut gespürt, als ich dich berührt habe? In ihren Gedanken war es so einfach auszusprechen, aber in der Realität, da schaffte sie es einfach nicht.



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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Fr Dez 10, 2010 11:40 pm

Als Claire ihn ansah, sah er nichts als Kälte in ihren blau-grauen Augen. Es waren dieselben Augen, die ihn von der anderen Seite der Eismauer ansahen, deren Gefühle er nicht erraten konnte. Chris hatte Claire einst gekannt, doch nun war sie ihm so fern wie noch nie zuvor. Streckte er die Hand nach ihr aus, würde er zwar ihren Körper berühren, aber nicht ihre Seele. Nicht ihr Herz. Sie hatte sich vor ihm verschlossen, wie er vor ihr. Wenn er an ihre ersten Ehejahre zurückdachte, erkannte er Claire kaum wieder. Sie hatte von Gefühlen und Energie gesprüht, die nun nicht mehr zu Tage kamen.
Auch Chris selbst hatte sich verändert. Er zog sich immer mehr zurück, übernahm die harten und teilnahmslosen Gesichtszüge von Rollen, die er einst gespielt hatte und sah langsam dabei zu, wie er selbst zu so einer Rolle wurde und sie nicht mehr nur spielte. Das einzige, das ihm noch Trost spendete, war die Musik. In ihre konnte er seine Gefühle ausdrücken, jedoch nur wenn Claire nicht anwesend war. Manchmal ließ er Lieder für sich weinen und zahllose Tränen vergießen und andere Male wollte er einfach nur schreien und die Wände niederschmettern. Manchmal überkamen ihn Wut und Verzweiflung, die er nicht verstehen konnte.
Als Claire ihn nun mit diesen schönen aber eisigen Augen ansah, glaubte er ein Licht der Traurigkeit und Verzweifung aufflammen zu sehen. Warum fiel es ihr nur so schwer, über ihre Gefühle zu sprechen? Dieselbe Frage konnte er sich stellen. Doch das hatte Claie bereits für ihn übernommen.
"Ich wünschte ich könnte es", flüsterte Chris, schluckte den Kloß, der sich in seinem Hals gebildet hatte, hinunter.
"Genau deshalb entfernen wir uns immer mehr voneinander, verstehst du das nicht?", sagte er und man konnte die Verzweiflung in seiner Stimme mitschwingen hören. Er hatte keine Lust mehr sich schauspielerisch zu bemühen und seine wahre Gefühle in einen Käfig zu sperren. Der Schlüssel zu diesem befand sich griffbereit. Er musste nur noch dem Mut finden aufzusperren.
"Fühlst du nicht diese Leere, in jedem unserer Blicke? Ich sehe sie in deinen Augen und fühle sie in meinen. Du fehlst mir, Claire. Wir sind beide nach vorne geeilt, aber in verschiedene Richtungen. Wir sind zu anderen Menschen geworden. Doch unsere früheren Ichs sind noch da...ich bin mir ganz sicher..."
Chris redete zwar, aber es ergab in seinen Ohren keinen Sinn ür ihn. Wie sollte er Claire sagen, was er wirklich fühlte? Normalerweise war er gut mit Worten, doch sein Mund war einfach nur trocken. Er hatte zahllose Lieder parat, in denen Chris seine Gefühle spielen konnte, doch in diesem Fall half nur das Reden. Er hatte das Gefühl, es war wirklich an der Zeit gewesen, dieses Gedicht von Claire zu finden.
Sein Herz zog sich zusammen, als er die Härte in ihren Augen sah, die nicht zu weichen schien.





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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Sa Dez 11, 2010 12:06 am

Schneller als Chris schauen oder reagieren konnte war Claire aufgesprunge und sah jetzt zu ihm herab. Sie fühlte sich so unendlich leer, als hätte ihr jemand einfach den ganzen Inhalt, der sie einmal erfüllt hatte, weggenommen, ihr alles geraubt, was sie geliebt hatte. Nun stand sie da, und hatte das Gefühl nur mehr ihre Hülle war im Raum anwesend. Der Rest war verschwunden.
Doch sie durfte nicht einfach gehen. Eine Flucht würde das alles nur verschlimmern, nein, sie war sich darüber im Klaren, dass die beiden in diesem Raum bleiben mussten.
Sie sah auf ihn hinunter und sobald sich ihre Blicke wieder trafen, konnte sie nichts in seinen Augen sein. Sie konnte sie nicht lesen, wie früher. Sie spürte kein Feuerwerk in ihrem Herzen, da war einfach nichts außer die große Leere, als sie ihn ansah. Seine Worte, sie berührten sie tief in ihrem Inneren, rüttelten sie wach und erinnerten sie daran, dass sie kämpfen musste. Sie durfte nicht einfach die Hoffnung aufgeben, immerhin musste dieses Problem doch irgendwie lösbar sein? Aber wie sollten sie diese Eiswand durchbrechen, die schon so hart, fest und dick war, dass es ihr schon schwer fiel, ihn zu verstehen?
Sie dachte längere Zeit über seinen letzten Satz nach und dieser erinnerte sie daran, warum sie eigentlich aufgesprungen war. In ihrem Herzen wurde es dunkel und jede Wärme schwand, ja sie begann sogar ein wenig zu frösteln. Anstatt ihre verzweifelten Gefühle hinauszulassen, kam eine andere Emotion hoch und die half allemal nicht: die Wut.
Ihre Stimme war leise, doch mit jedem ausgesprochenen Wort wurde sie lauter, sodass ihre Stimme den ganzen Raum lautstark erfüllte:"Was macht dich so sicher? Warum glaubst du sie sind noch da, unsere alten Ichs? Was ist, wenn sie weg sind, sich in Luft aufgelöst haben?" Ihre Stimme wanderte beinahe 3 Oktaven höher und sie wurde nochmals lauter, Wut lag nun in ihrer Stimme. Es war nicht die beste Lösung für ihr Gefühlswirrwarr, aber immerhin war es ein Gefühl!
In ihren Augen flackerte Verzweiflung und Hilflosigkeit in Form einer Wutflamme auf.
"Was ist, wenn wir uns diesmal nicht mehr retten können, sondern es aus ist, für immer? Hast du dir das schon mal überlegt?"
Immer mehr steigerte sie sich in ihre Wut hinein, während sie Chris mit lodernden Blicken beinahe schon strafte. Die Eiswand schien zu schmelzen aufgrund des Feuers, dass in Claire plötzlich entflammte. Immer direkter und klarer wurden ihre Vorwürfe, die teilweise unlogisch und bei den Haaren herbeigezogen waren.
"Glaubst du etwa, dass ich dich nicht vermisse, die Nähe, den Kontakt, die Gespräche, die Liebe, die ja anscheinend nicht mehr existiert? Was ist mit unserer Zukunft? Wollen wir ewig uns nur in die Arbeit vertiefen oder gibt es da noch etwas anderes, etwas dass ausnahmsweise nur uns gehört, denn was haben wir denn schon großartig? Unsere Besitztümer sind doch alle nur materiell, eine Universität, na und? Diese Universität hat in den letzten Jahren großartige Arbeit geleistet, wirklich, sie hat unsere Beziehung zerstört."
Sie begann auf Chris näher zuzukommen und machte ihm Vorwürfe. Ihre Themensprünge waren so schnell und unübersichtlich, weil sie einfach alles rausließ, dass sich in ihr angestaut hatte.
"Und du, ich seh dir doch an, dass du eigentlich wieder auf die Bühne willst! Bin ich dir mittlerweile schon ein Klotz am Bein? Bin ich das, die alte, nörgelnde Ehefrau? Ja? Ich sehe einfach nicht mehr, welchen Weg ich gehen soll, was ich tun kann, damit sich das alles hier wieder bessert. Es ist doch sowieso schon aussichtslos.
Wenn ich dich berühre, ist da überhaupt noch ein Prickeln? Spürst du dich überhaupt noch hingezogen zu mir? Ist da ein beschleunigter Herzschlag oder irgendetwas, außer Leere? Das bezweifle ich!" Es lag in ihrer Natur ein wenig melodramatisch zu werden, dann kamen da noch ihre Gefühlsschwankungen und ihre Leidenschaft bzw. Impulsivität dazu, die sie manchmal zu einem cholerischen Menschen machten. Das war auch der Grund, warum ihre laute Stimme mittlerweile ins Schreien übergegangen war. Ihr Atem beschleunigte sich und ihre Augen begannen verdächtig zu glitzern. Claire konnte im Moment nicht darüber nachdenken, ob ihr die Tränen vor Wut oder vor Verzweiflung kamen.



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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Sa Dez 11, 2010 12:38 am

Als Claire plötzlich neben ihm aufsprang und vor ihm mit vor Wut flackernden Augen stand, verkrampfte sich sein Magen so heftig, dass er beinahe vor Schmerz aufgstöhnt hätte. Diesen Ausdruck hatte er noch nie in ihren Augen gesehen. Niemals. Das Feuer und der Zorn, der von ihm auszugehen schien, begann die dicke und massive Eiswand zwischen ihnen zu schmelzen. Doch es brachte nicht den gewünschten Effekt. Der Wall zwischen dem Ehepaar mochte zwar verschwunden sein, doch somit war auch der Schutz vor sich selbst verloren gegangen und Chris verbrannte sich dabei die Finger, als Claire durch in einem Anzug aus Feuer die Schwelle überquerte.
Bei den Worten, die sie Chris buchstäblich entgegen schleuderte, spürte er einen Schmerz der sich anfühlte, als hätte sie ihm ins Gesicht geschlagen. So schlimm dachte sie über ihre Beziehung? Sie hatte also endgpltig die Hoffnung aufgegeben? Chris war sich der Eiseskälte, der Leere und der Entfernung sehr wohl bewusst gewesen, doch er hatte nie die Hoffnung aufgegeben. Der größte Fehler, den er begangen hatte, war, dass er hoffte, die Zeit würde sowohl Wunden heilen als auch Kontakte in ihren irren und unverständlichen Wegen wieder zusammenführen. Doch da hatte er sich gewaltig getäuscht.
Chris erhob sich ebenfalls vom Boden und ging trotz der Verbrennungen, die er an Claire's pulsierender Wut erlitten hatte, ein paar Schritte auf sie zu.
"So weit bist du also schon? Du hast schon alle Hoffnungen an unsere Beziehung aufgegeben?", fragte er aufgebracht, verzweifelt.
"Unsere alten Ichs sind noch nicht ganz verloren, sie existieren noch, ich weiß es genau. Ich sehe es doch in deinen Augen! Auch wenn du alles daran setzt, mich nicht mehr an dich heranzulassen, kann ich fühlen, dass du irgendwo tief in dir immer noch diese gefühlvolle, romantische und unaufhaltsame Frau bist! Die Zeit hat uns einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht, hat uns unsere Eheversprechen vergessen lassen. In guten wie in schlechten Zeiten, auch wenn die schlechten zur Zeit überiwegen. Ich spüre doch, dass du auch dein Tanzen vermisst. Du magst zwar jeden Tag trainieren und üben, doch das Gefühl und die Leidenschaft fehlen. Sie tragen Wunden, genau wie du. Doch du sprichst deine Gefühle nie aus! Du bist weder eine Last für mich, noch alt, noch nörgelnd! Ich vermisse dich mit jedem einzelnen Teil meines Körpers und meiner Seele, die noch leben! Ich vermisse deine Nähe, die Gespräche mit dir, deine Berührung. Ich vermisse es morgend neben dir aufzuwachen und dich auf mich herablächeln zu sehen!", rief Chris mit leicht rotgewordenem Gesicht und glasigen Augen. Teils vor Wut, teils vor Trauer.
"Ich möchte das Prickeln ja spüren, doch wir geben uns gegenseitig keine Chance mehr dazu! Wir können nicht ewig darauf warten, dass einer von uns versucht etwas zu verbessern. Wir müssen beide daran arbeiten! Wir müssen uns aus dieser ewigen Eishöhle, die mit nichts als leere gefüllt ist, herausziehen und wieder fühlen. Emotionen durchleben! Es ist schon ein Wunder die Wut in deinen Augen zu sehen, da sonst kein Gefühl zum Vorschein kommt! I'm going insane if we don't find our way back to ourselves! I cannot cope with not having you near me anymore. Jeden Morgen, wenn du das Haus vor mir verlässt, schreien mein ganzer Körper und meine Gedanken nach dir, sie wollen dich zurückholen, doch sie kommen weder aus mir heraus noch an dich heran".
Chris stampfte einmal laut auf und Schlug mit der Faust gegen die Spiegelwand. Sein Herz blutete, er konnte es nicht anders beschreiben. He just couldn't stand it any longer.
"Warum sind wir so geworden, wie wir jetzt sind?", flüsterte er nur noch und verdreckte mit einer Hand seine Augen.



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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Sa Dez 11, 2010 1:12 am

Sie erschreckte sich, als seine Hand die relativ stabile Fläche des Spiegels traf und sie richtig sehen konnte, welche Gefühle sich in ihm abspielte. Zuerst war seine Antwort auf ihre Worte ebenfalls die Wut gewesen, doch die Verzweiflung drang durch und wandelte sich schließlich in absolute Trauer. Claire konnte sein Gesicht nicht mehr sehen, da er selbst mit seiner Hand verdeckte. Sie selbst wandte sich von ihm ab und stand nun mit dem Rücken zu ihm. Ohne es zu wissen, flossen Tränen noch und nöcher aus ihren Augen. Sie hatte Chris noch nie so erlebt, wie jetzt, in den ganzen 10 Jahren waren sie niemals so aneinander gekracht, wie jetzt, es stand auch nie so schlimm um ihre Beziehung, wie in diesem Moment.
Endlich bemerkte sie, dass sie die ganze Zeit über weinte und zwar richtig intensiv weinte. Kaum wischte sie sich diese weg, kamen schon wieder neue, deshalb gab sie es irgendwann einmal auf. Ihr war nur allzu bewusst, dass Chris recht hatte und sie, wie so oft, im Unrecht war, doch was sollte sie nun tun? Sollte sie eingestehen, dass sie die Schuldige war? Gab es überhaupt einen Schuldigen? Es gehörten schließlich immer zwei dazu und in diesem Fall waren sie beide wohl dafür verantwortlich, so viel stand fest.
So sehr sich Claire zu motivieren versuchte, sie konnte nicht zu ihm gehen, es wollte ihr einfach nicht gelingen. Irgendetwas blockierte sie, doch so konnte sie nicht weitermachen. Sie musste reden, die Mauer endlich niederreißen, die sie sich selbst aufgebaut hatte. Sie wusste ja nicht einmal mehr, ob sie sie gebaut hatte, um Chris oder sich selbst zu schützen.
Plötzlich, abgwandt von Chris begann es zu sprudeln, ihr Mund quoll über mit Worten, die so lange nicht ausgesprochen hatte, mit Antworten, nach denen Chris vielleicht gesucht hatte.
"Ja, du hast Recht. Diese alte Claire und auch dieser alte Chris, sie sind noch da, aber wie bringe man sie wieder an die Oberfläche, wie kann man so sein, wie früher, nach all der Funkstille und nach all den Monaten, in denen wir unseren eigenen Wege gefolgt sind?
Das Singen und das Tanzen, beides leidet, aber wozu? Wozu tun wir uns das alles an? Wieso kann es nicht einfach so sein, wie früher?"
Sie verstummte und fuhr fort, ihre Stimme war nun ruhig, doch mit Verzweiflung erfüllt:"Chris, wie hätten wir uns denn eine Chance geben sollen? Ich habe es probiert und wurde abgelehnt vor ungefähr einem Monat. Ich habe mich so gekränkt, dass ich mich komplett abgekapselt habe. Ich dachte sogar so weit, dass du mich nicht mehr willst. Und ich bin mir fast sicher, dass dir dasselbe passiert ist oder? Ich habe dich vermutlich abgelehnt ohne es zu merken..."
Sie überlegte vor sich hin und fuhr dann fort, mit immer brüchigeren Stimme und teilweise unterbrochen durch Schluchzer:"Ich weiß nicht, warum wir so sind, wie wir jetzt sind. Vielleicht haben wir uns zu viel Freiraum gelassen, uns zu sehr auf die Liebe verlassen und sie dabei vergessen. Die Arbeit war unser Lebensmittelpunkt, da war kein Platz mehr für Zeit, die wir miteinander verbrachten, es ist doch eigentlich immer noch kein Platz dafür, weil wir keinen geschaffen haben."
Claire kniete sich hin und krümmte sich für einige Sekunden, während sie aufschluchzte. Ihr Herz tat so weh, dass sich alles in ihr zusammenzog. Eine Hand lag auf ihrem Bauch, während sie sich beinahe zusammenrollte, wie ein Ball. Bevor es noch mehr weh tat, raffte sie sich auf und mit einem Schwung stand sie wieder gerade da. Endlich wandte sie sich wieder um und ging auf Chris zu, sodass sie sehr nahe bei ihm stand, eigentlich direkt neben ihm.
"Ich möchte einen Vorwurf klarstellen und zwar ganz klar. Ich war nie so weit und ich werde hoffentlich nie so weit kommen. Ich habe noch nie unsere Beziehung aufgegeben und ich werde es sicherlich auch jetzt nicht tun..."sie machte eine kurze Pause und sah auf die Decke des Tanzsaals und endlich sprach sie etwas aus, dass sie schon vor so langer Zeit hätte tun sollen. Wie lange war es her, dass sie das Chris gesagt hatte? Lange....
"...weil...weil ich dich verdammt noch mal liebe, Chris. Wie konntest du nur mir unterstellen, ich würde das nicht mehr tun? Ich kann mich noch sehr genau an das Eheversprechen erinnern. Denkst du wegen dieser Krise will ich mich jetzt gleich von dir scheiden lassen? Warum sollte ich mich von dem Mann trennen, denn ich so verehre, so liebe, dass ich es nicht mehr ertrage ohne ihm zu sein, nicht mehr ertrage ohne ihn zu leben?" Ihr Blick wanderte wieder zu ihm und darin lag pure Verzweiflung, aber auch Ehrlichkeit, richtige Gefühle, die weder kalt noch hart waren. Tränen rollten weiterhin über ihre Wangen, doch es machte ihr nichts aus, dass Chris sie so sah, jetzt nicht mehr. Und da zeigte sie sich langsam wieder: die alte, verletzbare und vor allem gefühlvolle Claire.



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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Sa Dez 11, 2010 1:48 am

Als Claire schluchzend vor ihm zusammenbrach, zerbrach es Chris noch mehr das Herz. Er konnte sie einfach nicht so sehen. Endlich war er offenbar wieder von allen Gefühlen erfüllt, die man überhaupt fühlen konnte. Jede einzelne Faser seines Körpers entflammte in Sehnsucht, Verzweiflung, Trauer, Wut auf sich selbst, Einsamkeit, Schmerz aber vor allem Liebe. Es gab Tage an denen hatte er Claire's Liebe zu ihm für verloren geglaubt, da hatte sie Recht. Anstatt sich dem Problem zu stellen, hatte er sich immer wieder abgewandt und die Wunden wurden tiefer und tiefer, auch wenn er sie bis vor kurzem noch nicht richtig hatte spüren können.
Chris wollte auf seine Frau zugehen, doch die stand schon wieder aufrecht da und trat mit wenigen Schritten neben ihn. Die Wut, die er vorhin verspürt hatte, wandelte sich in Trauer und nun in Erschöpfung und nur noch in Sehnsucht um.
"Ich wollte dich mir der Unterstellung, dass du den Glauben an unsere Beziehung verloren hättest, nicht verletzen", sagte Chris ehrlich und wollte sich selbst dafür bestrafen, dass er Claire derartiges an den Kopf geworfen hatte. Wie hatte er das nur tun können?
"Ich glaube ich war egoistisch genug darauf zu hoffen, dass du mich vom Gegenteil überzeugen würdest. Ich habe so sehr darauf gehofft, dass ich es tatsächlich ausgesprochen habe, was unverzeihlich ist. Es gab Zeiten, wo ich so gut wie gar nichts fühle konnte, wir sind uns gegeneitig aus dem Weg gegangen und haben uns nur auf die Arbeit und die Universität konzentriert und dadurch tatsächlich unsere Beziehung so sehr vernachlässigt, dass wir nun hier stehen, uns gerade eben noch angeschrien haben. Ich dachte mir das würde nie geschehen...ich hatte gehofft es würde nie geschehen", sagte Chris traurig, keine Spuren von Wut oder Zorn waren noch übrig.
Er drehte sich so, dass sie sich genau gegenüber standen. Ohne zu wissen, was er tat, näherte er sich Claire noch mehr und hielt sie vom einen zum anderen Moment in seinen Armen. Nach so langer Zeit konnte er sie endlich wieder umarmen, den Duft ihres Haares einatmen und ihre zarte Gestalt vor allem beschützen, was ihr zu nahe kommen könnte. Er drückte sie an sich, achtete darauf sie nicht zu zerquetschen und wollte sie einfach nie wieder loslassen. Er würde sie nie wieder gehen lassen. Nicht aus seiner Umarmung und nicht aus seinen Gefühlen, seinen Gedanken seiner Person. Claire's Schmerz war auch sein Schmerz, ihr Zorn war sein Zorn, ihre Trauer war seine Trauer und ihre Liebe war seine.
"Ich liebe dich, wie nichts anderes auf der Welt. Du bist mein ein und alles, ohne dir wäre ich nur zur Hälfte da. Du bist der Grund, warum ich jeden Morgen aufwache, die Sonne, die mich zum Lachen bringt und mir Hoffnung schenkt. Du bist der Stern am Himmel, der mir die dunkelsten Momente im Leben erhellt, du bist die Harmonie und die Inspiration zu jedem Lied das ich schreibe. Du kannst dir nicht vorstellen wie sehr ich dich vermisst habe", sagte Chris aufeinmal mit voller Leidenschaft in der Stimme. Die vielen Gefühle, die plötzlich wieder auf ihn einwirkten, verwirrten ihn, sie gaben ihm jedoch sein Leben wieder zurück. Sein leben mit Claire. Ohne einer Wand, die die beiden voneiander trennte.




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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Sa Dez 11, 2010 2:12 am

Claire überforderte die Situation und vor allem der neugewonnene Zugang zu ihren Gefühlen. Bevor sie noch etwas erwiedern konnte, spürte sie Chris starke Arme um ihren Körper. Immer dachte sie, sie wäre stark und könnte alles selber hinkriegen, doch Chris machte ihr wieder klar, dass sie es nicht war. Sie hatte ebenfalls das Recht schwach zu sein und sich in seinen Armen auszuruhen. Wie viel bedeutete ihr diese Umarmung, es war für sie nicht in Worte auszudrücken. Chris hatte einfach richtig gehandelt, indem was er getan hatte. Sie lehnte sich sanft gegen seinen Körper und ihren Kopf vergrub sie an seiner Brust unter seinem Kinn. Die Tränen wollten einfach nicht aufhören über ihr Gesicht zu rinnen. Es waren einerseits Tränen, die sie schon so lange hätte loswerden sollen und andererseits Tränen der Erleichterung, die ihr auf einmal widerfuhr. Ihr Atem ging recht rasch, während sie noch ein paar mal schluchzte, da sie erst einmal mit der ganzen Situation klarkommen musste. Sie hatte die Gefühle nie zugelassen und jetzt, da waren sie und stürmten auf ihren Verstand und vor allem auf ihr Herz ein, sodass sie nicht genau wusste, wo oben und unten war, aber da war ja Chris, der sie auffing, hielt und ihr Schutz bot, egal wie heftig sie stritten.
Langsam, aber sicher beruhigte sie sich und begann sich zu entspannen. Das war der Moment, als Chris Claire seine Liebe gestand. Schon wieder musste Claire beinahe heulen, als sie seiner tiefen voller Leidenschaft bewegten Stimme zuhörte. Er war so ehrlich und so liebevoll, wie schon lange nicht mehr und plötzlich überkam sie wieder das Gefühl ihn zu kennen. Sie hob ihren Kopf, ohne ihren Körper auch nur einen Zentimeter von seinem zu trennen und sah ihn mit verweinten und leicht geröteten Augen an. Dort empfing sie Chris' Blick. In ihren Augen lag, wie früher, Liebe, als wäre die alte Liebe, die eigentlich nie alt war, neu erwacht, nur diesmal mit einer solchen Intensität, da sie einige Monate warten musste. Sie verharrte irgendwo tief in Claire und jetzt war endlich der Moment gekommen, indem sich diese Liebe zu Chris wieder zeigen konnte, in ihrer vollen Pracht. Jede Leere, jeder Schutz und jede Mauer war verschwunden, da waren nur sie und er und ihre tiefen Gefühle füreinander. Sie bildeten wieder eine Einheit, schützten sich gegenseitig und bildeten eine Mauer gegen jeden, der einen Keil zwischen die beiden treiben wollte. Claire spürte, wie auch wieder die Wärme zurückkehrte und die Kälte vertrieb.
"Doch Chris, ich glaube, das kann ich, ich weiß, wie du mich vermisst hast, denn ich habe dich genauso vermisst. Du und ich: Wir sind eins. Ich kann dir nicht wehtun, ohne mich zu verletzen und ich will dir nicht wehtun, niemals", sagte sie und auch in ihrer Stimme klang die Leidenschaft mit. Tief atmete sie nochmals ein uns aus, um seine Nähe, seinen Duft, all das riechen, spüren und fühlen zu können. Sie legte eine Hand auf seine Schläfe und strich dann liebevoll, als wäre er ihr wertvollster Schatz, über seine Wange.



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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Sa Dez 11, 2010 2:33 am

Für den Bruchteil einer Sekunde hatte Chris Angst, dass sich Claire aus seiner Umarmung befreien würde, schlug sich diesen Gedanken jedoch gleich wieder aus dem Kopf und vergrub sein Gesicht in Claire's Haar, als sie sich sanft gegen ihn lehnte und an seiner Brust ausruhte.
Er spürte die leichten Erschütterungen, die ihren Körper durchzogen, da sie immer noch schluchzte, und strich ihr behutsam und liebevoll über den Rücken.
Auch Chris' Liebe für Claire schien von neuem zu erwachen und er spürte all die positiven Gefühle doppelt so stark wie gewöhnlich. Er fühlte sich einerseits schwach, da ihn die vielen Emotionen übermannten und ganz sentimental stimmten. Andererseits wurde er jedoch von einem Gefühl der Stärke und Zuversicht ergriffen jetzt, da er und seine Frau endlich wieder in ihrer Liebe vereint waren.
Als Claire ihren Kopf hob und Chris mit vor Tränen rot gewordenen und immer noch glasigen Augen ansah, schenkte er ihr einen Blick voll Vertrauen, Liebe und Sicherheit, während er mit seinen Daumen sorgsam die Tränen von ihrem Gesicht wischte; von diesem Gesicht, ohne dem er nicht sein konnte.
Chris sah ihr tief in die Augen und es breitete sich augenblicklich wohlige und glückversprechende Wärme in ihm aus, da er Claire's Liebe zu spüren bekam, nach der er sich so lange gesehnt und die er so sehr vermisst hatte. Er würde ihr niemals mehr auch nur ansatzweise die Chance geben sich zurückzuziehen oder zu verschwinden. Er würde es nicht ertragen.
Die Berührung, die Claire ihm schenkte, indem sie liebevoll über seine Wange strich, löste auch dieses langersehnte Prickeln auf seiner Haut aus, die gleichzeitig mit elektrischen Spannungen durchzogen wurde. Chris konnte es kaum fassen. Er konnte sie tatsächlich wieder spüren.
"Ich liebe dich"; wiederholte er nocheinmal, küsste Claire die Tränen von den Wangen, die immer noch unaufhörlich nachkamen, und lächelte seine Frau neue Hoffnung schöpfend und voller ehrlicher Zuneigung an.
"Und danke", murmelte Chris noch zusätzlich, bevor er es wagte sich zu Claire hinunterzubeugen und nach so langer Zeit seine Lippen wieder auf die Ihren zu legen. Er küsste sie sanft und zärtlich, überstürtzte nichts, hielt sie einfach nur in seinen Armen und lächelte während des Kusses, als sich eine Träne des Glücks aus seinem Auge den Weg seine Wange hinab bahnte und sich in ihren Kuss vermischte.



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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Sa Dez 11, 2010 2:52 am

Seine Daumen berührten ihre Wangen und wischten sorgsam alle Tränen davon, sodass es Claire unmöglich war, noch zu weinen. Sie wollte ja auch gar nicht mehr weinen, sie wollte Chris nur mehr spüren, im nahe sein, nach 3 Monaten absoluter Leere zwischen den beiden war das auch nichts verwunderliches.
Erst jetzt wurde ihr langsam klar, wie sehr sie ihn wirklich vermisst hatte. Wie konnte man bloß einen Menschen die ganze Zeit über so sehr lieben und dann einfach die Gefühle vor ihm verbergen? Im Nachhinein schien es so unverständlich für Claire, doch es gab auch nichts mehr zu verstehen.
Sie hatten das Problem aus der Welt geschafft und es hatte auch lange gebraucht, um die Lücke endlich zu überbrücken. Nun, endlich waren die beiden wieder vereint, nachdem sie sich selbst von dem Leben des Anderen abgeschnitten und abgekapselt haben.
Jede Berührung, die von Chris ausging, löste in ihr ein Feuerwerk aus. Schmetterling flogen in ihrem Bauch herum und ihr Herz raste, wie am Abend auf dem Klavierhocker vor 6 Jahren, als alles begann.
Das "Prickeln", dass so lange verschwunden war, kehrte wieder zurück in ihr Leben und Claire war mehr als glücklich darüber. Sie dachte, sie hätten es für immer verloren, aber da war es wieder, frisch und elektrisierend, wie früher.
Nun küsste er sogar die Tränen von ihren Wangen und Claire wusste gar nicht, wie sie reagieren sollte. Sie strich mit ihrer Hand einfach durch sein wuscheliges, leichtes Haar, da es sich gerade so anbot. Selbst das hatte sie vermisst, einfach durch seine Haare zu fahren, wenn sie wollte.
Sie antwortete ihm kurz bevor er sich hinabbeugte und sie nur allzu gut wusste, was ihr Mann, nachdem sie mehr begehrte, als nach irgendetwas anderem, vorhatte. Schon damals in den Flitterwochen hatte sie sich vorgenommen, in einem besonderen Moment, ihm eine Liebeserklärung zu machen, jedoch nicht in deutsch, wie sonst, auch nicht in Französisch ihrer Muttersprache, sondern in seiner Sprache: Englisch. Sie wusste, dass jetzt der Moment gekommen war und sagte hingebungsvoll:" I love you, Darling!"
Sie lächelte und schon trafen seine Lippen auf ihre. Sie bemerkte, wie zärtlich er mit ihr umging, da er nichts überstürzen wollte. Claire fand die Idee gut, da es wie ein Neubeginn war, ein neuer Anfang für eine gute Zeit. So süß wie der Kuss angefangen hatte, so salzig ging er weiter, da Chris nun in diesem überaus sentimentalen Moment ebenfalls eine Träne verlor, eine Träne des Glückes. Sie musste augenblicklich lächeln (wie lange war es her, dass sie gemeinsam lächelten oder lachten? lange...) und legte noch mehr Intensität in den Kuss. Nachdem ihr die Luft ausging hauchte sie zarte Küsse auf seine Haut entlang der Glückstränenspur. Alles was sie tun konnte, war sich vollkommen ihren Gefühlen hinzugeben, die so neu und so unerwartet wieder hier waren, dass sie nicht anders konnte, als nach Chris zu begehren. So lange mussten sie aufeinander verzichten, da war es jetzt nicht sehr verwunderlich, dass die ganze "aufgesparte" Leidenschaft zutage kam.



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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   So Dez 12, 2010 1:02 am

Chris konnte gar nicht mehr aufhören zu lächeln. Der Kuss war von Claire's Seite intensiver geworden und er hatte sofort in ihren Rhythmus übereingestimmt.
Nachdem sie ihm auf Englisch eine Liebeserklärung machte, bedeutete ihm das so viel, dass er sie einfach hatte küssen müssen. Nun hielten sie sich gegenseitig in den Armen, Luft holend und strahled. Chris beschloss nun ebenfalls auf Französisch, was er so gar nicht konnte, ihr zu sagen, dass er sie liebte. Er hoffte es würde ihr genauso viel bedeuten wie ihm.
"Je t'aime, ma chèrie", hauchte Chris und lächelte Claire liebevoll zu.
Es fühlte sich tatsächlich wie ein Neubeginn an. Wie, als würde er aus einem tiefen Schlaf voller Alpträumen und ewiger Eiszeit wieder in die Wirklichkeit zurückkehren, die voller intensiver Gefühle und unfassbarem Glück so lange auf ihn und Claire gewartet hatte.
Warum musste sie so lange auf sich warten lassen? Es hätte ihnen beiden einiges an Leid erspart. Doch er wollte gar nicht länger darüber nachdenken, sondern einfach den Moment der Versöhnung und Wiedervereinigung in vollen Zügen genießen. Er konnte nur hoffen, dass die beiden nie wieder durch eine derartig schwierige Zeit mussten.
Das Ehepaar durfte sich nicht so von ihrer Arbeit vereinnehmen lassen. Sie sollten ab und zu auch wieder das tun, das einst ihre einzige Leudenschaft war und wodurch sie sich damals auch kennengelernt hatten. Die Universität war zwar ihr Zuhause...doch die Bühne war es auch.
Chris schloss die Augen, als Claire die Spur seiner einzigen Glücksträne küsste, und murmelte:"Wir sollten ein paar Lehrer einstellen, meinst du nicht? Dann hätten wir mehr Zeit für uns".
Langsam begann Chris sich mit seiner Claire in den Armen im Kreis zu drehen und langsam in dem Saal zu tanzen, auch wenn keine Musik mehr lief.
"You fill my lonely heart", sagte er leise, während sie Kreise gehend den Tanzsaal durchquerten, und lächelte dabei. Es war eine Zeile aus dem Lied "Butterflies", das er seiner Frau in der ersten Nacht vorgesungen hatte, die sie bei ihm zu Hause in Wien verbracht hatte. Auch wurde er auf ihrer Hochzeit gespielt; dieses Lied war ein Teil des unbrechbaren Band, das die beiden auf ewig verknüpfte.
"You are the long lost part - you make my life complete - 'cause you're the missing beat", sprach Chris weiter und schloss die Augen.
"And now I close my eyes - and feel the butterflies - They are the ones you brought - They're coming with every thougt - of you".



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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   So Dez 12, 2010 1:02 pm

Wie hatte sie Chris Lippen und seine Küsse vermisst. Es war beinahe unerträglich ohne ihm auszukommen, warum also hatten sich die beiden wirklich so lange gegenseitig gequält? Jeder Grund der ihr in den Sinn kam, war so nebensächlich und sinnlos, dass ihn sofort wieder verwarf. Claire freute sich einfach nur, dass sie die Krise anscheinend überwunden hatten und hoffte, dass sie nie wieder kommen würde.
Als er ihr noch eine Liebeserklärung in ihrer Muttersprache Französisch machte, glaubte sie ihr Herzschlag würde für einige Sekunden aussetzen. Ein in den letzten Monaten komplett verschwundenes Strahlen erfüllt ihre Augen und ihre Mundwinkeln. Sie wusste einfach nicht, wie sie sich dafür bedanken sollte und vor allem wie sie ihm zeigen konnte, wie viel ihr das gerade eben bedeutet hatte. Deshalb tat sie es Chris gleich und küsste ihn einfach, voller Gefühl und Leidenschaft, die tief aus ihrem Herzen kam.
Danach, vollkommen außer Atem kuschelte sie sich wieder an seine Brust und schlang ihre Arme enger um seinen Körper, damit ja kein Zentimeter Abstand zwischen ihnen bestehen konnte.
"Das ist eine gute Idee, ein paar Lehrer und schon hätten wir mehr Zeit für uns...", murmelte sie in seinen warmen Körper hinein, dass es kaum verständlich war. Claire könnte ihm in ihrer Freizeit so viel zeigen, zum Beispiel das neue Lokal, dass sie kürzlich bei einem Spaziergang alleine entdeckt hatte. Sie könnten die Weihnachtszeit, die wichtigste Zeit für Claire, da sie sich da kennen und lieben gelernt haben, gemeinsam genießen, wieder anfangen abends gemeinsam zu kochen und vielleicht hätte ja Chris wieder die eine oder andere romantische Idee oder Überraschung für sie, wer weiß?
Als sie sich sanft im Tanzkreis drehten und miteinander kuschelnd tanzten, hatte Claire das Gefühl mit Chris zu schweben, obwohl sie sich so langsam bewegten. Schon an den ersten Worten erkannte Claire den Song, den ihr Mann mit sanfter Stimme vortrug. Er sprach ihn zwar nur, aber trotz allem hatte er die selbe Wirkung, wie er es immer hatte. Endlich hob sie ihren Kopf von seiner Brust und sah ihm wieder in die Augen, wo sie ein unglaublich herzerfüllender Blick empfing. Sie lächelte und setzte flüsternd fort:
"You are each note I write.
You're in each tear I fight.
You are the one for me,
forever is what I see
in you."
Sie verstummte wieder und die Melodie in ihrem Kopf summte weiterhin, während Erinnerungen aufflammten: an die Hochzeit, an die erste Nacht und an noch so viele Momente in den letzten 6 Jahren, wo das Ehepaar genau durch dieses Lied noch enger zusammengeschleust wurde.
Chris war so klar in ihrem Kopf und gleichzeitig die Liebe, die sie zu ihm empfand, so intensiv, dass es schwer war mit dieser Welle von purer Liebe überhaupt umzugehen, diese überhaupt zum Ausdruck zu bringen mit den wenigen Mitteln, die sie zur Verfügung hatte.
Claire dachte plötzlich unbeabsichtigt laut, während ihre Stimme verwirrt klang:" Wie konnte ich deine und meine Liebe nur über die vielen Monate hinweg vergessen?" Sie sah ihm tief in die Augen, während sie sanft über seinen Rücken strich.



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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Di Dez 14, 2010 11:23 pm

Chris nickte.
"Es sollte nicht allzu schwierig werden, Lehrer zu finden, meinst du nicht?", bemerkte er nachdenklich, während er seiner geliebte Frau übers lange, seidige Haar strich. "Die Schwierigkeit wird darin bestehen uns zu entscheiden, welches unserer Fächer wir abgeben wollen".
Als sich die beiden wieder im Einklang miteinander durch den Tanzsaal drehten, schlich sich diese ziemlich schwierige Frage in Christopher's Gedanken. Er wollte in diesem Moment an nichts anderes als an Claire und ihre wiedergefundene Liebe denken, sich darüber freuen, sie wieder einml intensiv spüren, sich von ihr in Sicherheit wiegen lassen...doch war der Gedanke einmal in seinen Kopf gedrungen, ließ er ihn nicht mehr los.
Welches Fach würde er abgeben? Chris wisste, dass es notwendig war eines von seinem Lehrplan zu streichen und er wollte es auch! Nichts war ihm nun wichtiger, als seine Beziehung zu Claire wieder vollständig auf die Beine zu bringen, doch jene Entscheidung war doch schwerwiegend. Gesang? Wie könnte er? Schauspiel? Unmöglich. Literatur? Es täte weh. Irgendwann würde er wohl zu einer Entscheidung kommen müssen.
Als Chris diese Gedanken zur Seite schob, fühlte er sich schlecht dafür, dass er ihnen überhaupt Zugang zu seinem Kopf gewährt hatte. Wie hatte er an solch einem wundervollen Augenblick mit Claire an soetwas denken können? Er hatte sich über die Jahre wohl doch um einiges verändert. Nur wusste er nicht, ob diese Veränderungen mehr in den positiven oder in den negativen Bereich gingen.
Die letzte fehlende Strophe des Liedes, das er eigens für Claire damals komponiert hatte, drangen in ihrer ihm so geliebten Stimme ans Ohr. Die Zeilen weckten erneut die Melodie in seinem Kopf und er dachte ebenfalls wieder an diesen ersten Abend in seiner Wohnung und an ihre Hochzeit in der Blüte des Mais zurück. Chris beschloss seine romantische Ader mal wieder um Rat zu fragen und Claire vor allem in der kommenden Weihnachtszeit zu verwöhnen und zu überraschen.
Die nächsten Worte, die Claire sprach, veranlassten Chris leicht seine Augenbrauen zusammenzuziehen. Er spürte Unruhen in seinem Herzen, die ihm in gewisser Weise selbst die Schuld für die Trockenzeit, die zwischen dem Paar geherrscht hatte, gaben.
Chris' Augenfarbe schien flüssig zu werden, als er den Blick in Claire's Augen sah.
"Du hast unsere Liebe nicht vergessen, Claire", sagte er leise und schüttelte leicht den Kopf.
"Sie wurde nur von...anderen Dingen in den Hintergrund gedrängt. Das haben wir wohl beide zu verschulden. But it won't ever happen again, Love, I promise".
Chris gab ihr einen kurzen, aber süßen und zärtlichen Kuss und lächelte zuversichtlich in ihre Augen hinab.





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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Di Dez 14, 2010 11:54 pm

Als Chris das Abgeben eines Faches erwähnte, wurde ihr wieder ein wenig schwerer ums Herz. Was für ein Fach sollte sie abgeben?
Eines meiner Fächer einem Anderen überlassen? Das ist, als würde ich etwas von meiner Seele hergeben...von meinem Leben, dass ich seit 6 Jahren so führe, wie ich es führe, jedoch, genau dieser Teil hat mir Chris für einige Zeit weggenommen und das passiert wieder, wenn wir nicht beide Kompromisse eingehen. Aber welches Fach soll ich bloß aufgeben? Tanz? Auf keinen Fall, mein ganzes Herz hängt daran. Kunst? So gerne, wie ich zeichne. Poesie? Ich liebe es zu dichten oder einfach nur Gedichte, die meinem Gefühlszustand entsprechen zu lesen. Wie soll ich mich da von einem Fach trennen? Egal, ich kann mir das später auch noch überlegen, ich sollte mich wieder auf das Hier und Jetzt mit Chris konzentrieren.
Ihr fiel auch auf, dass er für kurze Zeit abwesend gewesen war. Es war eben doch nicht alles wie früher. Früher wären sie in diesem Moment Feuer und Flamme gewesen, jetzt waren sie doch nur Hitze und Glut, doch es war allemal besser als Eis und Hagel. Warum konnte man nicht einfach zurückschalten, so verliebt sein, wie man es einmal war? Doch gleichzeitig wollte Claire nicht wieder zurück. Diese Zeit war vorüber und man konnte nicht sagen, sie hätten sie nicht genossen und ausgenutzt. Nun war eine andere Zeit, andere Probleme, andere Nachteile, aber jede Zeit hatte auch seine Vorteile. Zum Beispiel konnte sich Claire hundertprozentig auf Chris verlassen, sie konnten überaus gut zusammenarbeiten und sich konzentrieren und ihre Liebe war so tief, wie sie damals gar noch nicht sein konnte. Doch wo war die Leidenschaft hin? Ging sie mit dem Alter, mit der Lebenserfahrung, mit den Erinnerungen?
Claire war sich darüber nicht sicher, besann sich aber wieder auf Chris. Er hatte vermutlich bemerkt, dass sie mit ihren Gedanken woanders war und das war in dieser Situation nicht gerade förderlich, wo sie sich gerade erst wieder "gefunden" hatten, doch sie konnte irgendwie nicht anders. Sie musste einfach über dieses "Problem" irgendwo nachdenken.
Als sie Chris wieder ansah, begann ihr ein leichter Schauer wieder über den Rücken zu gehen. Seine Augenfarbe war so warm, dass sie wie flüssig erschien, doch da war nur Wärme, keine Flamme, wie sie befürchtet hatte. Doch konnte sie sich damit nicht auch zufrieden geben? Was wollte sie denn eigentlich wirklich von Chris? Wollte sie Liebe, Wärme oder Feuer? Ihr wurde bewusst, dass sie zu viel verlangte, von sich, von ihrem Mann und vom Leben. Alles hatte seine Zeit und sie überforderte die Jetzige mit ihren Ansprüchen, aber was wenn sie diese nicht ändern konnte?
Immer noch mit verwirrtem Blick sah sie Chris von unten herauf an, während sie immer noch in seinen Armen lag und sie sich sanft miteinander drehten. Beinahe schon naiv, aber ernst fragte sie:" Ich habe unsere Liebe nicht vergessen?" Sie runzelte die Stirn und sah sich konfus im Tanzsaal um.
"Du hast wohl Recht...in den Hintergrund gedrängt....aber es soll uns nie wieder passieren, mon chèri!"
Sie sah ihn wieder an, immer noch dabei ihre Gedanken zu sortieren. Sie beschloss sie laut auszusprechen und hoffte Chris würde nicht wütend werden. Sie wollte diese Versöhnungszeit nicht "unterbrechen", aber es ließ sie nicht mehr los und mit ihrem Mann wollte sie es besprechen und ehrlich sein. Außerdem hatten sie in den letzten Monaten einiges an Gesprächsstoff nachzuholen.
"Chris, ich muss dir was sagen. Es gibt da so Gedanken, die mich nicht mehr loslassen. Ich weiß nicht ob es dir auch so geht, deshalb spreche ich nur für mich. Ich glaube, ich verlange zu viel von dir, mir, dem Leben. Ich habe so hohe Ansprüche, dass ich selbst jetzt mich irgendwie nicht ganz so gut fühle, wie ich mich fühlen sollte. Das Gefühl, dass etwas fehlt, lässt mich nicht los. Es ist als wäre aus unserer damals jungen Liebe, eine zwar gefestigtere geworden, aber als wäre jegliche Leidenschaft, jegliches Feuer geschwunden. Übrig ist nur noch Wärme und zum Glück die Liebe, aber kann nicht beides parallel existieren? Ist die Zeit für das Eine schon vorbei? Sind wir mittlerweile erwachsen geworden und haben dieses "Feuer und Flamme" füreinander sein verlernt?" Sie sah Chris teils verzweifelt teils fragend an. Warum konnte sie nicht einfach den Moment genießen, den zarten, süßen Kuss von Chris. Warum musste sie sich noch mit solchen Gedanken herumquälen? Claire wusste es selbst nicht genau. Es kam einfach über sie.
Seine Zuversicht war so ehrlich und sie wollte es auch sein und war es auch irgendwie. Sie wusste selbst nicht, was mit ihr im Moment los war.
"Liebling, du bist mir so wichtig und ohne dich, es war eine Qual, reine Folter, aber war das alles? Werden wir jemals wieder wie früher oder müssen wir uns mit dieser "abgesofteten" Art zufrieden geben?
Nehmen wir den Moment vor ein paar Minuten her, 2 Minuten nachdem wir uns versöhnt hatten, sprachen wir schon wieder kurz über die Arbeit und darüber ein Fach abgeben zu müssen und schon waren meine Gedanken bei der Arbeit und dass es äußerst schwer für mich wird, ein Fach zu missen, aber ich möchte natürlich alles tun, damit unsere Ehe wieder besser wird, aber ganz ehrlich, warst du nicht auch dort mit deinen Gedanken? Früher wären wir ineinander versunken, aber jetzt? Sind wir schon so arbeitsabhängig, dass wir nicht einmal nach einer Monate andauernden Eiszeit die Arbeit vergessen können?"
Sie sah dem für sie wichtigsten Menschen auf der Welt in die Augen und war sich hunderprozentig sicher, dass sie damit die Stimmung wieder ruiniert hatte.
Claire, du bist eine Idiotin...damit bringst du die Leidenschaft und das Feuer auch nicht gerade wieder zurück.



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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Do Dez 16, 2010 10:13 pm

Als Claire's Blick abschweifte und ferner wirkte, wurde Chris augenblicklich klar, dass sie nun auch darüber nachdachte, welches Fach sie wohl am ehesten abgeben würde. Er wusste nicht recht, ob es traurig finden sollte, dass sie nach so einer herzzerreißenden Auseinandersetzung so rasch wieder auf das Thema Arbeit und Universität gekommen waren. Er musste wohl einfach aktzeptieren, dass jenes so fest in ihrer beider Alltag verankert war, dass kein Tag mehr vergehen konnte, ohne dass die beiden darüber nachdachten.
"Natürlich wird es uns nie wieder passieren, Darling", versprache er ehrlich, seine Stimme voller Zuneigung und Zärtlichkeit. Chris gab dieses Versprechen nicht nur Claire sondern auch sich selbst.
Bevor seine Frau zu etwas Neuem ansetzte, sah er Unsicherheit und Trauer und auch ein wenig Widerwille in ihrem Blick, die Chris Sorgen bereiteten. Als sie zu sprechen begann, hörte er aufmerksam zu, beobachtete die Emotionen, die sich auf ihrem Gesicht abspielten und sah seine eigenen, die er während dem Zuhören in ihren Augen widergespiegelt sehen konnete. In seinem Inneren wusste Chris genau, dass Claire mit jedem einzelnen Wort, das sie sagte, Recht hatte, auch wenn er es nicht wirklich glauben wollte. Die heiße und aufregende Leidenschaft zwischen dem nicht mehr so blutjungen Ehepaar wurde durch lange und teilweise anstrengende Ehejahre abgeschwächt, doch es hätte nichts gegeben, was sie hätten tun können, um dies zu verhindern. Nach den Flitterwochen schwebten die beiden immer noch auf Wolke Sieben, zogen in Wien zusammen, verbrachten jeden Tag und auch jede Nacht glücklich und beinahe sorgenfrei miteinander. Es war nur normal, dass sich vieles über die Jahre verändert hatte, doch Chris und offenbar auch Claire wollten das nicht ganz aktzeptieren. Sie wollten es nicht wahrhaben.
Noch bevor Claire zu Ende gesprochen hatte, begann Chris den Kopf zu schütteln.
"Wir haben es nicht verlernt "Feuer und Flamme" füreiander zu sein, Liebling", sagte Chris und lachte einmal traurig. "Wir sind nur ein wenig aus der Übung. Denke nicht du bist die einzige, die die Leidenschaft zwischen uns vermisst und sich nach dem Feuer und auch ihrer Jugend sehnt, es geht mir nicht anders. Doch wir sollten es als Geschenk sehen, dass unsere Liebe nach all den Ehejahren so tief und bedingungslos geworden ist. Das schaffen nicht viele Paare und ich bin froh und stolz, dass das Band, das uns trennt nicht schwächer sondern stärker geworden ist. Diese Verbindung zwischen uns ist der Grund, weshalb wir diese Krise nun überwunden haben und uns wieder nahe sind. Es ist auch dafür verantwortlich, dass du mir deine Sorgen so offen und ehrlich mitteilen kannst, ohne dich unsicher zu fühlen oder dich dafür zu schämen.
"Wir müssen die nächste Seite unserer Geschiche umblättern und ein neues Kapitel beginnen. Es mag sein, dass wir uns nun mehr Wärme als Hitze oder Feuer entgegenbringen, doch ich liebe es. Unsere Beziehung war immer schon tiefgründiger als so manche andere. Ich liebe es, dass unsere nicht bloß auf körperlicher Basis besteht, ich liebe es dass wir auch manchmal streiten, denn dadurch zeigen wir uns, dass wir uns niemals gleichgültig sind. Ich liebe unsere Versöhnungen und dass wir uns auch ohne Worte verständigen können. Dass wir die Leidenschaften der anderen respektieren und auch verehren gelernt haben und, egal wir viele Krisen wir auch hinter uns haben mögen, dass wir uns immer noch auf diese Weise ansehen können", sagte Chris und strich Claire zärtlich über die Wange.
"Außerdem...um so seltener wir das wahre Feuer, die wirkliche Hitze und die wahrhafige Leidenschafte zu Tage kommen lassen, desto aufregender wird sie".
Chris wusste nicht, ob ihm die emotionalen Momente, die aus seiner Musik und ihrem Tanz, aus innigen Gesprächen und romantischen Liebesgeständnissen bestanden, nicht wichtiger waren, als der rein körperliche Kontakt zu Claire. Denn diese berührten zwar auch seinen Körper, aber nicht nur diesen, sondern vor allen Dingen sein Herz.




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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Do Dez 16, 2010 10:50 pm

Immer noch in seinen Armen, sah Claire Chris an, während sie mit ihrer Hand immer wieder durch sein Haar fuhr, um dann beide Handflächen gegen seinen Brustkorb zu legen, während sie sich sanft im Kreis drehten. Die Wärme zwischen ihnen drang bis in die tiefsten Kammern ihres Herzens vor und gleichzeitig war sie von solch einer Ehrlichkeit einerseits überrascht und andererseits gerührt. Sie hörte Chris' Worten zu, während ihre Augen kein einziges Mal den Blickkontakt unterbrachen. Sie verharrten und studierten die Mimik, den Ausdruck der Augen, der ja beinahe als Spiegel der Seele fungierte.
Sie ließ sich mit ihrer Antwort ein wenig Zeit, begann dann aber doch ihre Stimmbänder wieder einzusetzen. Ein beinahe schon zarte, junge und naive Stimme erfüllte den Raum:" Aus der Übung? Tja, du hast vermutlich Recht. Wir sollten einfach warten und wenn die Leidenschaft kommt, dann sollten wir sie genießen", stellte sie fest, während sich ihre Gedanken zu lichten begannen. Es war als hätte Chris mit seinen Worten irgendetwas in ihr zum Rollen gebracht, denn es fiel ihr plötzlich wieder viel einfacher, sich über den Moment zu freuen.
Sie lächelte und schüttelte über sich selbst lachend den Kopf:" Wie konnte ich nur schon wieder so dumm sein. Du hast so Recht und ich habe meine Augen schon wieder verschlossen." Aber zum Glück hatte Claire Chris, der ihr die Augen wieder geöffnet hatte.
"Ein neues Kapitel, das klingt wie Musik in meinen Ohren. Und die Wärme und diese Ehrlichkeit, die genau in diesem Moment zwischen uns hin- und herfliegt, genau die ist wohl unsere Errungenschaft über die letzten Jahre." Sie lächelte zärtlich, während sie seine Hand, die über ihre Wange strich abfing und sie sanft in beide ihrer Hände nahm um dann seine Finger und seinen Handrücken entlang zu zeichnen.
"Es ist immer wieder interessant, wie unterschiedlich und wie ähnlich wir uns sind, findest du nicht?", sagte sie und setzte fort:" Damals, du warst der erste Mann, der wirklich etwas von mir wissen wollte, der sich für mich interessiert hat und nicht für das hier", sie deutete auf ihren Körper, "nicht, dass ich dem männlichen Geschlecht im Generellen etwas vorwerfen möchte, aber Männer, wie du, sind selten. Genau wie du gerade gesagt hast, genau diese Punkte, die du liebst erfüllen wir. Wie blind kann ich sein, dass ich soetwas nicht schätze? Da ist die Wärme, die konversationslose Verständigung, der Streit mit der Versöhnung, ganz nebenbei ich liebe Versöhnungen eigentlich über alles, der gegenseitige Respekt, die Freundschaft, die Worte, die wir wechseln, der Spaß, den wir oft haben, die Freude an unserer Arbeit. Es ist doch alles da, was man in einer Ehe braucht, und ich beschwere mich auch noch. Es tut mir Leid, Chris. Ich weiß auch nicht, was manchmal in mich fährt", gestand sie offen, wobei sie wusste Chris würde sie niemals deshalb verurteilen.
"Aber danke, dass du es immer wieder schaffst mit deiner bloßen Anweseneheit, deiner sanften Stimme, deinen gewählten Worten, deinen bloßen Blicken mein Herz und meine Seele zu berühren."
Claire lächelte bei dem Gedanken, den er vorher laut ausgesprochen hat, nämlich dieser, dass Leidenschaft umso seltener sie kam, umso wertvoller und spannender werden konnnte.
Immer noch seine Hand in ihren und immer noch dabei Linien von Adern nachzuzeichnen, striff sie Chris Ehering und sah den auf ihren. Mit flüsternder Stimme sagte sie:" Jedes Mal, wenn ich dich angesehen habe, hast du den Ring getragen, egal ob wir gerade gestritten haben oder ohne einander keine Sekunden konnten. Selbst bei jeder deiner Aufführungen, Konzerten, egal was, hast du ihn getragen."
Sie lächelte, sah ihn an und küsste seine Nasenspitze:"Danke!"
Dann kam sie plötzlich auf eine Idee:" Chris?", fragte sie mit verführerischer, fast schon quängelnder Stimme.
"Hast du noch etwas vor oder zufällig ein bisschen überschüssige Zeit für deine Frau?" fragte sie und sah ihn aufgeregt an.



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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Fr Dez 17, 2010 10:36 pm

Chris war froh, dass er Claire von seiner Ansicht überzeugen konnte. Ihn selbst hatte es einiges an Anstrengung gekostet, um soweit mit seinen Gedanken zu kommen. Er öffnete ihr immer wieder gerne die Augen und wollte ihr Dinge zeigen, die sie vielleicht übersehen hatte und er war froh, dass Claire stets dasselbe für ihn tat. Sie konnten sich immer aufeinander verlassen.
"Wir werden uns einfach auf das Hier und Jetzt konzentrieren, denn die Gegenwart ist wichtiger, als die Vergangenheit und im Moment auch die Zukunft. Wir haben so viel Zeit damit verbracht, die Zukunft zu planen, dass wir unsere Vorlieben in der Vergangenheit vergessen haben. Du solltest wieder vor Puplikum tanzen"; stellte Chris entschlossen fest.
"Es würde dir sicher guttun. Wir leben in New York und wenn eine Tänzerin genügend Aufträge bekommt, dann bist es du, Liebes. Ich weiß, dass du nicht für den Ruhm und das Rampenlicht tanzt, sondern weil es deine absolute Leidenschaft ist, doch es liegt einfach in deiner Natur. Genauso wie es in meiner liegt, auf der Bühne den Mund zu öffnen. Egal ob ich nun Töne oder Zeilen hervorbringe".
Chris war klar, dass es nun wieder auf das Thema "Arbeit" gekommen war, doch dies war eine andere Art von Job. Es war diese Art von Arbeit, die sie beide brauchten...wie sie einander brauchten...wie die Luft zum Atmen.
"Und du musst dich für nichts entschuldigen, Claire", sagte Chris liebevoll lächelnd, nachdem sie gesagt hatte es tue ihr Leid, dass sie sich beschwert hatte. "Ich habe genauso meine schwachen Momente, das ist nur menschlich". Er küsste sie aufs Haar.
Als Claire sich bei Chris bedankte, dass er seinen Ehering niemals abnahm, sah er seine Frau ein wenig überrascht an.
"Ich werde ihn immer tragen, Claire, ich habe nicht vor, ihn jemals abzunehmen. Darüber musst du dir keine Sorgen machen"; sagte er ein bisschen bestürtzt. "An dieser Stelle danke ich dir auch, dass du ihn nie abnimmst. Selbst beim Tanzen nicht, wo er sicherlich öfter unvorteilhaft ist, als beim Singen oder Klavierspielen".
Der verführerische Blick, mit dem Claire ihn plötzlich ansah, machte ihn neugierig und er schmunzelte amüsiert.
"Natürlich habe ich Zeit für dich, was hast du vor?".
Chris hatte keine Ahnung, was nun auf ihn zukommen würde, doch was auch immer es war, er sah ihm freudig und gespannt engegen.







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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Fr Dez 17, 2010 10:59 pm

Claire lächelte in sich hinein, während sie Chris Hand sanft losließ, ihre Arme wieder um ihn schlang und über seinen Rücken strich, sanft auf und ab, bis sie wieder einmal aus Faulheit sie einfach in seine hinteren Hosentaschen rutschen ließ, wie sie es früher sehr oft und sehr gern getan hat.
Claire musterte seine überraschten Blick und seine bestürzte Miene. "Es ist nicht selbstverständlich, den Ehering andauernd zu tragen und somit der ganzen Welt zu sagen <Ich bin verheiratet und das glücklich. Ich habe kein Interesse an euch anderen Frauen.> Einige meiner Freundinnen haben mir von den Affären ihrer Männer erzählt und wie sie das an ihren eigenen Qualitäten zweifeln lässt. Sie alle haben ihre Ringe nicht mehr wirklich getragen, aber bei dir, da sehe ich ihn jeden Tag aufs Neue an deinem Ringfinger lachen." Sie hob seine Hand noch einmal und küsste den Ring, wobei ihre Lippen sanft seinen Finger ebenso berührten. Sie ließ seine Hand wieder sinken und sah ihn verträumt an, etwas, dass sie schon lange nicht mehr zugelassen hat.
"Konzentration auf die Gegenwart, das finde ich sehr gut. Es gäbe da nämlich etwas, dass mit dem zu tun hat, was du gerade erwähnt hast. Du hast vollkommen Recht, wenn du sagst, wir brauchen beide die Bühne, die Möglichkeit unsere Leidenschaft zu leben, denn dann besteht wahrscheinlich auch erst die Möglichkeit, dass sie in unsere Beziehung wieder zurückkehrt. Ich habe mich ein bisschen umgehört und informiert und herausgefunden, dass im Moment Vorsprechen auf Hochtouren laufen, hier in New York und zwar für ein Musical, ein Bereich, den wir ja beide mögen. Ich dachte wir könnten dort hin und unser Glück versuchen. Sie suchen Tänzer und Sänger. Eine gemeinsam Produktion würde uns außerdem, falls wir beide angenommen werden, nicht schaden, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass du mit deiner Stimme und deinem schauspielerischen Talent nicht genommen wirst. Das Musical war immerhin die Art von Stück, die uns zusammengebracht hat...."
Verlegen lächelte Claire.
"Das Musical heißt...." sie ließ die Spannung ein bisschen steigen. Sie war sich sicher er würde das Buch und die Handlung kennen. Vielleicht würde es ihn von der Rolle her sogar ansprechen.
"....Dracula." Sie strahlte über das ganze Gesicht. Sie liebte einfach die Geschichte von Mina und Dracula, diese starke Liebe, die über den Tod hinausging und Dracula zu einem guten Wesen macht.



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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Fr Dez 17, 2010 11:26 pm

Chris dachte darüber nach, was Claire über die Sache mit dem Ehering erzählte und was sie von einigen ihrer Freundinnen gehört hatte.
"Also ich weiß ja nicht, was in den Köpfen dieser verheirateten Männer vorgeht"; begann er ernst und sah seine geliebte Frau bestimmt an, "aber in meinen Gedanken gibt es nur Platz für dich, denn du bist die einzige Frau in meinem Leben".
Chris war sein ganzes Laben lang schon ein treuer Mann gewesen; wenn er etwas oder jemanden bedingungslos liebte, verriet er es oder ihn nicht und an seiner Einstellung würde sich ganz sicher so bald nichts ändern.
Chris' Hand lag auf Claire's Hüfte, bevor er sie nach oben zu ihrer Schulter wandern ließ und dann hinab ihren Arm bis zu ihrer Hand. Dort strich er dann über ihren Ringefinger und umschloss ihre Finger mit seinen. Er würde seinen Ehering so lange tragen, bis er ihn gar nicht mehr abnehmen konnte.
"New York...die Stadt, die niemals schläft"; sagte Chris schmunzelnd, als Claire begann, von den Musical-Castings zu erzählen, die momentan liefen.
"Dracula?!", wiederholte er schließlich lächelnd und nickte. "Das hört sich ziemlich gut an. Die Geschichte, so wie sie von Bram Stoker geschrieben wurde ist nicht meine liebste Version, doch noch nie wurde ein Musical dem Buch getreu produziert. Wir sollten hingehen! Sie können nicht auf dich als Tänzerin verzichten". Er zwinkerte seiner Frau zu.
Als Chris das Strahlen in Claire's Augen sah, übertrug sich ihr Gesichtszug automatisch auf sein eigenes Gesicht. Die Idee war einfach fabelhaft.
"Wann sind Vorsprechtermine?"; fragte er freudig und wirbelte mit Claire einmal im Kreise herum.
"Wenn es nach mir geht, könnten wir gleich nach den noch ausstehenden Auditions los".



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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Fr Dez 17, 2010 11:47 pm

"Chris, ich nehme dich beim Wort. Ich weiß, dass du ein treuer Mensch bist und ich vertraue dir auch alles an, was ich habe, und nicht nur das. Ich vertraue mich selbst dir an, aber bitte, ich bitte dich fang dir nie etwas mit einer anderen Frau an, solange du noch mit mir zusammen bist. Sag, wenn es dir nach einer anderen gelüstet oder dir etwas an mir fehlt, aber betrüge mich nicht, bitte. Das....damit könnte ich einfach nicht umgehen. Ich würde beginnen an mir selbst zu zweifeln, mich fragen, was ich falsch gemacht habe oder was es war, dass dir an mir gefehlt hat und ich würde mich unendlich gebrochen und betrogen fühlen, aber ich weiß, dass du das nicht machst", vollendete sie ihre Ausführungen und ihre Bitte, die sie an ihn gerichtet hatte. Ein kurzer Moment des Schweigens durchzog den Raum, doch zum Glück konnten sie das sehr gut: miteinander schweigen. Es war keine unangenehme Stille, sondern nur eine Pause, um Gedanken zu sammeln, über das Gesagte kurz nachzudenken.
Dann ging sie auf das Casting ein.
"Ich habe gehört, dass es komplett anders ist, als das Originalbuch. Es soll sich mehr am Film orientieren, denn wir mal vor ein paar Jahren gemeinsam gesehen haben. Kannst du dich noch erinnern....das war mit....ah ich weiß es wieder, mit Gary Oldman!"
Sie lächelte. Ja, sie konnte sich gut an den Filmeabend erinnern. Es waren die Weihnachtferien vor 2 oder 3 Jahren und sie sahen den Film. Nachdem er geendet hatte, schwärmte Claire von Gary Oldman, wie attraktiv er als Dracula nicht wäre und wie unglaublich romantisch und berührend die Geschichte von Mina und Dracula ist. Chris mochte diese Schwärmerein für einen männlichen Schauspieler natürlich nicht so unglaublich gerne und naja versuchte wieder ein wenig Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, indem sie dann letztendlich am nächsten Morgen irgendwo zwischen Wohnzimmer und Schlafzimmer aufwachten, vollkommen schlaftrunken, da sie in der Nacht definitiv nicht viel geschlafen haben. Chris hatte sich in dieser Nacht einfach zu sehr um Claires Aufmerksamkeit bemüht, dass es gar nicht anders kommen konnte.
Claire musste lachen und sie wusste, dass Chris automatisch auch an die Nacht zurückdachte, als sie den Film erwähnte.
Chris wirbelte mit Claire im Kreis herum. Eines musste man ihm lassen, er konnte absolut gut einfach irgendetwas improviesiertes tanzen und Walzer, das konnte er auch ausgezeichnet.
"Heute so viel ich weiß den ganzen Tag lang, das heißt wir könnten nach den Auditions hingehen", sagte sie ein wenig aufgeregt. Ihr letztes Casting war schon länger her, ob sie überhaupt noch in Übung war?



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Christopher

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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Sa Dez 18, 2010 12:36 am

"Ich würde dich nie betrügen, Claire. Niemals"; sagte Chris vollkommen ernst und aufrichtig. "Zweifle nie an diesem Versprechen; ich habe es dir bei unserer Hochzeit gegeben und ich gebe es dir nun nocheinmal. An dir selbst musst du auch keine Zweifel hegen, du bist perfekt so wie du bist, deshalb würde es mir auch nie in den Sinn kommen, dich mit irgendjemand anderen ersetzen zu wollen".
Chris Magen drehte sich ein wenig, als Claire davon anfing und ihn bat, keine Affäre zu haben. Sie sagte zwar, sie wüsste, dass er soetwas niemals tun würde, doch trotzdem sprach sie es aus. Warum?
Er nutzte das Schweigen, dass nach Claire's Bitte an ihn zwischen ihnen in der luft hing, um darüber nachzudenken. Hatte Chris ihr jemals das Gefühl gegeben sie könne leicht durch eine andere Frau ersetzt werden?
Als Claire anschließend wieder von dem Casting für "Dracula" zu sprechen, beschloss er nicht mehr auf das vorige Thema einzugehen und nickte.
"Genau...der Film mit Gary Oldman...den du so gerne mochtest", erinnerte sich Chris und schmunzelte. Es hatte ihm gar nicht gefallen, dass Claire diesem Schauspieler so verfallen war und sein Bestes getan seine Frau zu verführen und die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Es hatte wunderbar geklappt, diese Nacht hatten beide nicht vergessen und sie würden es wohl so schnell auch nicht.
"Abgemacht", meinte Chris glücklich. "Nach den Auditions machen wir uns auf zum Casting. Soetwas haben wir beide schon länger nicht gemacht...wir sind wohl etwas aus der Übung". Er zuckte die Schultern. So schwierig würde es schon nicht werden. Sie waren beide unschlagbar gut in ihre Gebieten, also sollte es außer vielleicht der Nervosität eigentlich keine Probleme darstellen.
"Wirst du nur als Tänzerin vorsprechen oder für eine Rolle, die tänzerische Parts hat?".



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Claire

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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Sa Dez 18, 2010 12:56 am

"Ich würde dich nie betrügen, Claire. Niemals." Ich nehme dich beim Wort Chris, das tue ich wirklich und ich weiß, dass du es so meinst, wie du es sagst. Ich verspreche dir im Gegenzug dieses Versprechen niemals anzuzweifeln.
Claire runzelte kurz die Stirn, bis sie jedoch auch diesen Gedanken niederlegte und sich vorrangig wieder dem Thema Casting widmete. Es war wirklich schon lange her gewesen, dass sie das letzte Mal vorgesprochen hatte.
"Etwas aus der Übung, sicher, aber deine Stimme und deine schauspielerischen Qualitäten, an denen arbeitest du sowieso jeden Tag, also glaube ich kaum, dass das ein Problem für dich werden könnte. Du bist der Beste den ich kenne. Hast du vor dich für eine bestimmte Rolle zu bewerben, zum Beispiel für die des Draculas oder willst du eher eine Nebenrolle spielen?", fragte sie interessiert, während sie sich ihren Chris als Dracula vorstellte. Bei dem Gedanken musste sie schmunzeln, obwohl sie jetzt schon leicht eifersüchtig wurde, wenn sie an die weibliche Sängerin der Mina dachte. Diese riesige Eifersucht war erst im letzten Jahr und vor allem in den letzten Monaten entstanden, da sie ein paar Monate lang mit der Angst lebte Chris zu verlieren, da sie ihn einfach nicht mehr erreichen konnte. Doch es war überwunden, die Eifersucht konnte sie trotzdem nicht so recht einstellen, aber eigentlich war ja jede Eifersucht ein eigenes Liebesgeständnis.
"Ich denke, ich werde mich als Tänzerin bewerben, aber da es ja im Musicaltanz sowieso hauptsächlich um Ausdrucktanz geht, wird es wohl eher eine Choreographie mit schauspielerischen Zügen werden, falls ich einer der Tanzrollen kriege."
Sie lächelte, denn der Gedanke an Tanz der Vampire, von Graf von Krolock und Sarah schossen in ihre Gedanken.
Claire streichelte seinen Nacken und wickelte die kurzen Nackenhaare um ihren Finger, während sie ihm in die Augen sah.



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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Sa Dez 18, 2010 11:24 pm

"Das ist wahr"; sagte Chris auf das, was Claire betreffend der Übung gesagt hatte, die er theoretisch jeden Tag bei seinen Schülern hatte.
"Bei dir ist das ja nicht anders, Liebling. Keiner kommt gegen dich und deinen zum Tanz geborenen Körper an", er zwinkerte, "Doch es liegt ein Unterschied zwischen Singen und Tanzen vor Schülern und vor Juroren. Vor allem, da wir unseren Schülern hauptsächlich Tipps und Anregungen geben und ihnen nicht ein ganzes Stück oder einen Tanz vortragen".
Die Frage, ob er gleich für Graf Dracula oder nur für eine Nebenrolle vorsprechen wollte, veranlasste ihn dazu die Stirn zu runzeln. Es wäre ziemlich verlocken die Hauptrolle zu spielen...dafür musste er natürlich erstmal genommen werden, doch das würde er schon hinbekommen. Bis jetzt hatte Chris - soweit er sich erinnern konnte - immer die Rolle bekommen, für die er vorgesprochen hatte, außer ein einziges Mal, wo er eine andere tragende Rolle spielen sollte und seine Wunschrolle einige Jahre später gespielt hatte.
"Ich denke ich werde mich für Dracula bewerben", antwortete Chris also und nickte quasi als Bestätigung.
"iIch bin mir sicher du bekommst die wichtigste tänzerische Rolle"; bemerkte er bestimmt und lächelte zuversichtlich.
Während Claire sich seine Nackenhaare um den Finger wickelte und ihm in die Augen sah, erinnerte er sich ebenfalls an die Zeit zurück, in der die beiden für Tanz der Vampire auf der Bühne standen. Der Moment auf der Bühne, in dem die beiden wussten, dass sie für einander bestimmt waren, würde Chris bis zu seinem Lebensende nicht vergessen. Sie hatten sich ähnlich wie gerade eben angesehen, als sie einander auf der Bühne gestreift hatten. Das Lied, das zu dieser Szene gehörte, hallte in seinem Kopf wieder.
"Du was die Vernunft nicht erlaubt und frag nicht, ob du es morgen bereuen wirst", sang er leise, als könnte er Claire's Gedanken lesen und grinste.
"Was und befreit das muss stärker sein als wir es sind. Es trägt und weit weil es stärker ist als wir es sind...wir folgen ihm wer weiß, wohin?".



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Claire

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BeitragThema: Re: Tanzsaal für moderne Tänze   Sa Dez 18, 2010 11:55 pm

"Du hast Recht, aber auch wenn ein Unterschied besteht...du bist einfach der Beste, Schatz, daran wird sich nichts ändern."
Claire lächelte überzeugend und auch aus ihren Augen sprach die pure Ehrlichkeit. Sie würde immer an Chris glauben, selbst wenn er plötzlich Probleme mit seinen Stimmbändern bekommen sollte, er würde ihr Held bleiben, privat, wie auf der Bühne. Das Stirnrunzeln von Chris, wenn er nachdachte, liebte sie einfach. Es ließ ihn so gebildet und intelligent aussehen.
"Für Dracula? Großartig, aber nicht, dass du mir die Mina zu sehr verführst, ja?" Wieder lächelte sie frech und wedelte kurz ermahnend mit ihrem Zeigefinger hin und her.
Sie lächelte ihn verträumt an, während er ein paar Zeilen aus dem Musical sang, Zeilen, die gerade ziemlich gut passten wie es für Chris typisch war. Unpassende Liedtexte? Niemals. Auch für seine eigenen Songs fand er immer so wunderschöne, perfekte Lyrics, dass es ihr beinahe jedes Mal den Atem raubt, obwohl sie in letzter Zeit nicht wirklich etwas von seinen eigenen Liedern gehört hatte. Seine leise Stimme, so sanft und warm, ließ ihr eine Gänsehaut über den Rücken laufen, sodass ihr ganzer Körper für ein paar Momente erzitterte.
Claire überlegte selbst kurz und sagte dann frei heraus:" Mon chéri, du solltest, finde ich, wieder einmal ein eigenes Konzert geben. Jedes Mal sind diese ausverkauft und Fans schreiben schon auf diversen Internetseiten, dass du wieder alleine auftreten solltest, mit Musicalliedern oder deinen eigenen. Ich glaube, du hast lange genug darauf verzichtet und du bist einfach geboren um auf der Bühne zu stehen, den Komiker, Sänger, Schauspieler und Entertainer zu mimen."



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